Steuerung des Heilverfahrens bei psychischen Störungen nach schweren Unfällen
Ziel dieser Forschungsreihe ist die Qualitätssicherung und -steigerung des Heilverfahrensprozesses. Unter anderem wurde ein digitaler Diagnosealgorithmus entwickelt, der die Unfallsachbearbeitung darin unterstützen soll, psychische Störungen nach Arbeitsunfällen in Form einer Risikoeinschätzung möglichst frühzeitig zu identifizieren und geeignete Maßnahmen einzuleiten.
Auch nach der Einführung des Psychotherapeutenverfahrens vor etwa 10 Jahren bleibt die Steuerung des Heilverfahrens bei psychischen Störungen nach schweren Unfällen für die Unfallversicherungsträger, deren Aufgabe es ist, möglichst frühzeitig eine bedarfsgerechte und erfolgsversprechende Behandlung einzuleiten, eine Herausforderung.
Diagnosealgorithmen sollen Anwendende dabei unterstützen, auf Grundlage von klinischen Merkmalen zu einer psychologischen Einschätzung zu gelangen. Zu diesem Zweck wurde in Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) ein Diagnosealgorithmus basierend auf den diagnostischen Kriterien des DSM-5 entwickelt. Dieser kann die sechs häufigsten psychischen Unfallfolgestörungen (posttraumatische Belastungsstörung, akute Belastungsstörung, somatische Belastungsstörung, Anpassungsstörung, Depressionen und Angststörungen) anhand der vorliegenden Symptome, Trauma- und Zeitkriterium feststellen und unterscheiden.
In einer Evaluationsstudie (s.u. D. Zercher, 2021) wurde der Diagnosealgorithmus hinsichtlich seiner Validität, Interrater-Reliabilität und Usability untersucht. Zusätzlich wurde der Effekt auf die empfundene Sicherheit bei der diagnostischen Einschätzung geprüft. Dazu wurde ein Experimental-Kontrollgruppen-Design mit zwei Experimentalgruppen ohne Messwiederholung mit 68 Probanden (59% Frauen) online durchgeführt. Es zeigte sich, dass der Diagnosealgorithmus einen positiven Effekt auf die Diagnosevalidität, Diagnosesicherheit und Interrater-Reliabilität hat. Die quantitative Analyse der Usability zeigte, dass diese positiv bewertet wurde. Durch die qualitative Analyse der Usability konnten Verbesserungsbereiche für den weiteren Optimierungsprozess identifiziert werden.
Befunde aus einem Teilprojekt sprechen darüberhinaus dafür, dass die Wirksamkeit des Diagnosealgorithmus durch zusätzliche Schulungsmaßnahmen gesteigert werden kann.
Derzeit wird der Diagnosealgorithmus im Hinblick auf seine Praxistauglichkeit als Handlungshilfe für die Unfallsachbearbeitung und seinen Beitrag zur Qualitätssicherung und -steigerung im Heilverfahrensprozess überprüft und entsprechend weiterentwickelt.
Ansprechpartnerin:
Juliane Manteuffel
Juliane.Manteuffel@ fsa.de