Pilotprojekt: Risikomanagement des Prädiabetes als Maßnahme der betrieblichen Gesundheitsförderung

Nach dem „Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes“ ist Deutschland das Land mit dem höchsten Anteil an Menschen mit Diabetes mellitus in Europa (Prävalenz: 12 % der 20- bis 79-Jährigen), ca. 7,5 Millionen Menschen sind betroffen. Diabetologen gehen von einer erheblichen Dunkelziffer von nochmals 3 Millionen aus. 

In der betrieblichen Umgebung bieten sich gute Möglichkeiten für präventive Maßnahmen. Zur Zeit wird in einem Lebensmittelbetrieb in Thüringen ein innerbetriebliches Projekt zum Diabetes mellitus durchgeführt.

Das Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren und orientiert sich dabei am Stufenprogramm des Nationalen Aktionsforums Diabetes mellitus (NAFDM):

 

Schritt 1: Risiko-Erkennung mittels FINDRISK-Fragebogen

In einem Lebensmittelbetrieb mit 450 Mitarbeitern wurde an Gesundheitstagen mit Hilfe des FINDRISK-Bogens das Diabetes-Risiko der freiwilligen Teilnehmer ermittelt. Ab einem Schwellen-Score von 12 Punkten erfolgte das Angebot und die Einladung in das Diabetes-Präventionsprogramm. Alle Teilnehmer (n = 13) erhielten eine Eingangsuntersuchung inklusive Laborparametererhebung und Einweisung in die Kurse. 

Schritt 2: Intervention 

Der Schritt 2 wurde im März 2009 gestartet. Alle Teilnehmer trafen sich wöchentlich zu einer Beratung sowie drei Einheiten Bewegung (im Betrieb) über einen Zeitraum von 12 Wochen. Über ein Bonussystem wurde die Motivation zu regelmäßiger Teilnahme noch gesteigert. Nach dieser Intensivphase wurden Zwischenuntersuchungen durchgeführt. Die sorgfältige betriebsinterne und an Bewegung gekoppelte Struktur des Kurses führte zu bahnbrechenden Erfolgen in der Gewichts- (durchschnittlich -7,2 kg), vor allem aber Körperfettreduktion (durchschnittlich -6,2 kg). Die gemessenen Laborparameter bezüglich Zucker- und Fettstoffwechseln verbesserten sich bei nahezu allen Teilnehmern. Klinisch auffällige Befunde konnten in über 58% der Fälle normalisiert werden. 

Die darauffolgende intensive Haltephase wurde bis März 2010 abgeschlossen. Die Teilnehmer trafen sich einmal im Monat zu Beratungen, Koch- oder Einkaufstrainings. Trotz den Wintermonaten erreichten/behielten die Teilnehmer eine stabile Gewichtsabnahme von durchschnittlich 5,3 kg, davon 4,3 kg Fett. Die gemessenen Laborparameter bezüglich Zucker- und Fettstoffwechsel verbesserten sich bei nahezu allen Teilnehmern. Klinisch auffällige Befunde konnten in über 83% der Fälle normalisiert werden. Alle Teilnehmer berichten über eine gesteigertes Wohlbefinden, bessere Widerstandsfähigkeit gegenüber Infektionserkrankungen und Stress sowie erhöhte Beweglichkeit.

Schritt 3: Kontinuierliche Intervention

Schritt 3 wurde seit März 2010 wie im Folgenden beschrieben durchgeführt und im März 2012 abgeschlossen: einmal pro Quartal Wiegetreffen incl. Erfahrungsaustausch, fakultativ Ernährungsberatung (einzeln), Kurse jeweils nach Zwischentests sowie fakultativ wöchentlich 2 Einheiten Bewegung (betriebsintern mit einem Sporttherapeut organisiert und durchgeführt) – langsamer Übergang zu 3 mal eigenverantwortlich durchgeführte Bewegung.

Von 13 Teilnehmern ist eine Person (weiblich) ausgeschieden. Im Ergebnis konnte eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von 0,8 kg (jedoch 1,5 kg Fett) nach 3 Jahren erhalten werden. Verringerte Taillenumfänge, im Normbereich gebliebene Blutwerte sowie Aussagen der Teilnehmer von einem deutlich besseren Gesundheits- sowie Wohlbefinden und/oder gesteigerter körperlicher Ausdauer untermauern den Erfolg der Intervention.

Im März 2010 startete im gleichen Betrieb aufgrund großer Nachfrage eine neue Gruppe (15 Teilnehmer). Diese befindet sich nunmehr nach dem gleichen Stufenprogramm ebenfalls in Schritt 3. Die Erfolge dieser Teilnehmer liegen durchschnittlich bei -0,8 kg (davon 1,1 kg Körperfettreduktion). Die Laborparameter weisen im Durchschnitt eine tendenzielle Verbesserung auf. 

Ansprechpartnerin: 
Dr. rer. nat. Dipl. Troph. Danielle Prechtl
Fon: 0361 26244-23
danielle.prechtl(ат)apz-erfurt.de